Yet Another Wayward Archipelago — The Wadden Sea – Frisia Coast Trail

Vor Jahrhunderten lag im Wattenmeer der Nordsee eine Insel, die heute vollständig verschwunden ist. Atlantis in der Nordsee sozusagen. Ihr Name war Bant. Sie befand sich südlich der heutigen Ostfriesischen Inseln, in der Nähe der Emsmündung, und unterschied sich von den heute bekannten Sandinseln wie Juist oder Norderney. Bant war flach, von Marschwiesen bedeckt, immer wieder von der Nordsee überflutet und durch Warften geprägt – künstliche Erdhügel, die den Menschen halfen, sich vor dem Wasser zu schützen.

Bant war Teil des friesischen Küstenraums, eines dünn besiedelten, aber wirtschaftlich genutzten Gebiets. Die Insel bot Lebensraum für Menschen, die jedoch durch die ständigen Sturmfluten und die dynamische Nordseeküste immer wieder an ihre Grenzen gebracht wurden. Anders als die heute bekannten Sandinseln bestand Bant größtenteils aus festem Marschland, das sich bei Niedrigwasser weit ins Watt hinaus erstreckte.

Eine besondere Ressource machte Bant wirtschaftlich interessant: der Salztorf. Die Menschen, stachen den salzhaltigen Torf, trockneten ihn in der salzigen Luft und brannten ihn in kleinen Feuern. Die Asche wurde zusammengesammelt und auf die überflutungssichere Salzsiedewarft gebracht. Dort sammelte man die Asche und lagerte sie in immer größer werdenden Haufen, den Daans. Die Daans wurden mit Schaufeln festgeklopft. Diese Arbeiten, die Gewinnung von Salztorf, das Verbrennen und das Sammeln der Asche wurde den ganzen Sommer über betrieben. Denn das Salz war ihr Reichtum: Es konservierte den Fisch, das Fleisch, es wurde gehandelt bis nach Emden und weiter. Bant war damit nicht nur ein Stück Land im Meer, sondern ein Ort von wirtschaftlicher Bedeutung, der in der friesischen Küstenwelt eine Sonderrolle einnahm.Die Salzgewinnung machte Bant wirtschaftlich relevant, aber sie konnte die unbändige Kraft der Nordsee nicht aufhalten.

Jeder Torfstich machte die Wiesen schwächer, jede Sturmflut fraß ein Stück Land. Die Warften wurden kleiner, die Prielen breiter. Im 16. Jahrhundert fingen die Leute an, aufzugeben. Die Karten aus dieser Zeit zeigen Bant als Insel im Wattenmeer, südlich von Juist und westlich der Westermarsch. Sie belegen die Existenz einer Insel, die nicht nur Land war, sondern gewerblich genutzt wurde.

Im 18. Jahrhundert war Bant schließlich vollständig verschwunden. Das Land, das einst durch Warften und Marschwiesen eine Insel gebildet hatte, ist heute nur noch Watt und Sandbank. Heute sieht man bei Niedrigwasser manchmal Sandbänke auftauchen, schmale Streifen, die wie verlorene Erinnerungen daliegen. Die Fischer nennen die Stelle noch immer „Bantsbalje“. Bant lebt weiter in alten Karten – vergilbten Linien, die von einer Zeit erzählen, als die Küste noch anders aussah. Es bleibt salziger Wind, Schlick und Tang – und die Erkenntnis, dass nichts von Dauer ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert