Man stelle sich vor, man flüstert ein Gebet in der Dunkelheit seines Zimmers – und riskiert dafür sein Leben. Für über 380 Millionen Christen in 78 Ländern ist das bittere Realität. Laut dem Weltverfolgungsindex 2025 der Organisation Open Doors sind sie intensiver Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt – das ist jeder siebte Christ weltweit. In den 50 am schlimmsten betroffenen Ländern leiden sogar 310 Millionen unter extremem oder sehr hohem Druck. Diese Zahlen sind keine abstrakten Statistiken; sie stehen für Menschen, die täglich um ihr Überleben kämpfen.
Die Gründe für diese Verfolgung sind so vielfältig wie die Länder selbst, doch immer geht es um Macht und Kontrolle. In autoritären Regimen wie Nordkorea – seit Jahrzehnten auf Platz 1 der Liste – wird der christliche Glaube als direkte Bedrohung der staatlichen Ideologie gesehen. Hier ist Religion ein Verbrechen: Eine Bibel zu besitzen, in einer geheimen Hauskirche zu beten oder einfach nur den Namen Jesus auszusprechen, kann Folter, Zwangsarbeit in brutalen Lagern oder sogar die Hinrichtung bedeuten. Nicht nur der Betroffene leidet – oft wird die gesamte Familie in Straflager gesteckt. Nordkorea toleriert keine Konkurrenz zur Verehrung des Kim-Regimes; Christen gelten als Staatsfeinde, die „ausgemerzt“ werden müssen.
In Ländern, in denen der Islam die Politik dominiert – wie in Saudi-Arabien, Pakistan, Iran oder Afghanistan – verschmilzt Religion mit staatlicher Autorität. Hier gilt Gott als oberste Instanz, und Abweichler vom islamischen Gesetz werden gnadenlos bestraft. Konversion zum Christentum kann in bestimmten Ländern mit der Todesstrafe geahndet werden. Öffentliche Gottesdienste oder Missionierung sind streng verboten und werden oft mit Haft oder Steinigung geahndet. Christen werden als Verräter gesehen, die die „göttliche Ordnung“ destabilisieren.
Noch brutaler wird es in Krisenregionen Afrikas und des Nahen Ostens. In Nigeria, Somalia oder Libyen jagen Terrorgruppen wie Boko Haram oder ISWAP Christen gezielt. Dörfer werden überfallen, Kirchen in Flammen gesetzt, Menschen entführt oder vertrieben. Boko Haram sieht Christen als „Ungläubige“ und politische Feinde – oft im Schatten ethnischer Konflikte oder Machtkämpfe. Tausende sterben jährlich; allein in Nigeria wurden in den letzten Jahren Zehntausende Christen ermordet, ganze Gemeinden ausgelöscht.
Auch in Asien lauert die Gefahr subtiler, aber nicht weniger zerstörerisch. In Indien oder Pakistan diskriminieren radikale Gruppen und Gesetze die Gläubigen: Blasphemie-Vorwürfe führen zu Mob-Gewalt, Kirchen werden angegriffen, Christen bei Jobs, Bildung oder Ämtern benachteiligt. In Pakistan können falsche Anschuldigungen gegen den Propheten des Islam ein Todesurteil bedeuten – ein Werkzeug, das oft gegen Minderheiten missbraucht wird.
Warum gerade Christen? Ihr Glaube ist unabhängig – frei von staatlicher Kontrolle, mit eigenen Gemeinschaften und internationalen Verbindungen. In Diktaturen oder extremistischen Systemen wirkt ihr Glaube wie eine Rebellion – auch wenn er das in Wirklichkeit nicht ist. Eine Moral, die höher steht als der Staat oder die Mehrheitsreligion, ist in vielen Ländern unerwünscht.
Trotz allem halten viele Gläubige fest an ihrem Glauben. Weihnachten ist eine Gelegenheit, ihnen zumindest einen Moment der Aufmerksamkeit und einen Gedanken zu schenken, da dieses Thema sonst kaum Beachtung findet.
https://www.opendoors.org.hk/en-US/news/latest/wwl2025-overview/
https://www.eastwest.org/blog/the-most-dangerous-countries-for-christians-in-2025/
https://www.reddit.com/r/Maps/comments/1i1uqgp/today_ngo_open_doors_released_their_2025_world/