Pokrovsk, ein graues Städtchen im Donbass mit 60.000 Einwohnern, Kohlebergwerken und Plattenbauten, steht größtenteils unter Kontrolle russischer Truppen, während weiterhin vereinzelte Kämpfe in Teilen der Stadt gemeldet werden. Gestern Abend lächelte Wladimir Putin vor russischen Investoren und verkündete: „Pokrovsk ist befreit. Es kehrt in die historische Heimat zurück.“ Für normale Menschen klingt das wie Propaganda, für Generäle ist es ein Erdbeben: Wer Pokrovsk kontrolliert, steht nur noch 40 Kilometer vor den letzten ukrainischen Festungen im Osten. Slowjansk und Kramatorsk sind offen, und fällt diese Linie, droht die Ostukraine praktisch verloren zu sein. Drei Jahre Krieg – und plötzlich geht alles sehr schnell.
Doch während auf dem Schlachtfeld die Lage dramatisch eskaliert, passiert hinter den Kulissen etwas, das Europas Strategie noch stärker erschüttert: der totale Abbruch des Informationsaustauschs durch die USA. Christian Freuding, deutscher Generalleutnant und eine Schlüsselfigur im Ukraine-Krieg, beschreibt die Situation drastisch: Noch im Oktober konnte er nachts um drei per WhatsApp mit amerikanischen Kollegen über Waffenlieferungen kommunizieren. Am 2. Dezember 2025 sagt er öffentlich: „Das ist vorbei. Totaler Kontaktabbruch. Wenn ich heute etwas wissen will, muss ich in der US-Botschaft anrufen und betteln.“ Die Trump-Regierung hat den Hahn zugedreht – ohne Vorwarnung, ohne Erklärung. Gleichzeitig hat Washington Anfang März 2025 die Lieferung von Geheimdienst- und Aufklärungsdaten an die Ukraine ausgesetzt — eine Entscheidung, die die Verteidigungsfähigkeit Kiews empfindlich treffen könnte.
Und während Europa noch versucht, auf diese neue Realität zu reagieren, geht das Geld aus. Die Ukraine benötigt monatlich rund fünf Milliarden Dollar, nur um Sold, Renten, Strom und Krankenhäuser zu bezahlen. Amerika hat bisher den Löwenanteil gezahlt – nun nicht mehr. Europa wollte einspringen und plante, das eingefrorene, russische Geld, das auf Banken in Belgien liegt, zu verwenden. Doch Belgien fürchtet Klagen, unabhängig davon blockieren Ungarn und die Slowakei alles, was mit „Ukraine“ gekennzeichnet ist. Spätestens Februar /März 2026 droht Kiew der Staatsbankrott. Ohne Bezahlung keine Armee, ohne Armee keine Verteidigung.
Die Deutschen, mit ihren besonderen Geschäftsbeziehungen zu Russland, hatten früher ihre eigenen Kanäle zu ihren russischen Amtskollegen, genau wie Steve Witkoff, Trumps Gesandter, heute. Die Deutschen stellten einst die größte Gruppe beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg, dem russischen Pendant zu Davos. Nun sollen die Hotels in Moskau und St. Petersburg mit Amerikanern voll sein, die auf lukrative Geschäfte mit Russland hoffen. Es ist eine ironische Wendung des Schicksals, denn es waren die USA, die Deutschland zum Verzicht auf die Ostsee-Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland zwingen wollten. Jetzt ist die Rede davon, dass die Amerikaner sich als Vermittler einschalten, um russisches Gas dann teuer nach Deutschland zu verkaufen.
In der EU geht man sogar noch weiter. Am 3. Dezember 2025 haben die EU-Staaten, der Rat und das Europäische Parlament ein vorläufiges Abkommen (im Rahmen des REPowerEU-Plans) getroffen, das den Import von russischem Gas schrittweise verbietet und bis Ende 2027 vollständig beendet. Das Ziel: Die Abhängigkeit von russischer Energie endgültig zu beenden, um Russlands Einnahmen durch den Krieg in der Ukraine zu kappen und die EU-Energiesicherheit zu stärken. Doch Putin hat das Problem längst gelöst – und zwar mit einem einzigen Schachzug: Er hat Europa einfach gegen Asien getauscht. Seit dem EU-Ölembargo 2022 sind die Tanker nicht mehr nach Rotterdam oder Wilhelmshaven gefahren, sondern nach Vadinar, Qingdao und Ningbo.
China schluckt mittlerweile rund ein Viertel aller russischen Rohöl-Exporte – etwa 2,2 Millionen Barrel pro Tag, mehr als je zuvor. Indien hat sich aus dem Nichts zum zweitgrößten Abnehmer hochgepusht: 1,7 Millionen Barrel täglich, oft mit 30–35 Dollar Rabatt unter Brent. Zusammen kaufen die beiden Länder heute rund 50–55 % aller russischen Rohöl-Exporte. Europa ist auf 6–7 % abgestürzt.Öl-Einnahmen liegen 2025 wieder auf Vorkriegsniveau. Die Produktionskosten betragen 15 Dollar pro Barrel – selbst mit 30 Dollar Rabatt verdient Moskau noch gut. Das neue EU-Gasverbot bis 2027 wird bei Putin deshalb nur ein Schulterzucken auslösen. Genau wie beim Öl wird er die Exporte einfach nach Asien umleiten. Europa bleibt mit einem weitgehend wirkungslosen Verbot zurück, während Bürger und Unternehmen weiter hohe Energiepreise zahlen und die Abwanderung der Industrie die Wirtschaft schwächt.

Und ansonsten: Vor laufender Kamera sagt Putin gestern: „Gegen die Ukraine führen wir keinen richtigen Krieg. Wir handeln sehr vorsichtig, fast chirurgisch – ihr wisst warum.“ Den Blick ins Publikum. Für die meisten normalen Bürger klingt das rätselhaft. Die Erklärung liegt in der Geschichte: Kiew gilt als Wiege Russlands, das historische Zentrum der ersten russischen Fürstentümer. Für Putin ist die Ukraine nicht einfach ein Nachbarstaat – sie ist ein Kernstück seiner „historischen Heimat“. Dieses Selbstverständnis prägt sein militärisches Vorgehen: „vorsichtig“ heißt nicht zögerlich, sondern strategisch kalkuliert.
Die Botschaft von Putin an Europa ist eindeutig – wortwörtlich: „Wir wollen keinen Krieg mit Europa führen – ich habe das hundertmal gesagt. Aber wenn Europa plötzlich einen Krieg mit uns anfangen will und er auch startet, dann sind wir sofort bereit.“ Und dann: „Es würde so schnell enden, dass wir niemanden mehr hätten, mit dem wir verhandeln könnten.“ Und während all das passiert, leben Millionen Europäer weiter mit dem Gefühl, der Konflikt sei „weit weg“. Pokrovsk ist eingenommen. Mit dem Abbruch des US‑Informationsaustauschs und den finanziellen Engpässen der Ukraine steht Europa plötzlich auf sehr dünnem Eis.
Pokrovsk-Fallhttps://www.reuters.com/world/europe/putin-says-that-if-europe-wants-war-then-russia-is-ready-2025-12-02/
Putins Rede „kein Krieg mit Europa – hundertmal gesagt“https://deutsch.news-pravda.com/world/2025/12/02/534918.html
Freuding „Pentagon cut off“https://www.berliner-zeitung.de/news/bundeswehr-general-freuding-pentagon-hat-kontakt-zum-verteidigungsministerium-abgebrochen-li.10008320
https://www.theatlantic.com/magazine/2026/01/german-militarism-european-security/684951/
https://www.forbes.com/sites/melikkaylan/2025/12/01/business-not-war-the-secret-us-russia-deals-global-impact/
EU-Geld-Blockade Belgienhttps://www.zeit.de/politik/ausland/2025-12/ukraine-krieg-eu-finanzierung-kredit-russland-staatsvermoegen-belgien-gxe
https://www.bpb.de/themen/europa/russland/295403/die-kiewer-rus-geteilte-erinnerung-in-der-ukraine-und-in-russland/?utm_source=chatgpt.com