Bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Dienstag erneut betont, Deutschland und die USA stünden „on the same page“ beim Ziel, „dieses terrible regime in Teheran wegzubekommen“. Merz forderte einen klaren Plan für den „Tag danach“. In Berlin hatte Merz bereits am Sonntag erklärt, man wolle mit Partnern in den USA, Israel, der Region und Europa eine „Agenda für den Day after“ entwickeln – um Chaos wie im Irak oder in Afghanistan zu vermeiden. Die Realität sieht jedoch anders aus. Trotz Merz’ wiederholter Mahnung zu einem konkreten Nachkriegsplan gibt es bislang keine Anzeichen für eine solche Strategie auf US-Seite. Trump äußerte sich im Oval Office vage: Im „worst case“ übernehme einfach jemand, „der genauso schlimm oder schlechter ist“. Er spekuliert auf einen internen Kollaps durch Luftschläge und hofft auf einen Volksaufstand – ohne Invasion oder massive Stabilisierungsmaßnahmen.

Auch das Atomprogramm als zentraler Kriegsgrund wird zunehmend in Frage gestellt: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigt weiterhin kein strukturiertes Waffenprogramm. Zwar verfügte Iran vor den Schlägen über hochangereichertes Uran (genug für mehrere Bomben bei weiterer Anreicherung), doch die jüngsten Angriffe haben vor allem Anlagen zerstört – das Material selbst ist größtenteils intakt und unterirdisch gelagert. Das Narrativ verschiebt sich nun auf Raketenprogramm, Proxys (Hisbollah, Huthi) und Regime-Terror, aber keine Atomwaffen.

Ein Regimewechsel ohne Plan B birgt massive Risiken

Merz’ Position ist ein Balanceakt: Er unterstützt das Ziel (Regime weg, Bedrohung weg), kritisiert Trump nicht offen und warnt vor Risiken. Doch ohne Einfluss auf die US-Kriegsführung bleibt es bei diplomatischen Formulierungen. Er sprach von der „Erleichterung vieler Iraner“, dass das Mullah-Regime nun wackle, und forderte einen klaren Plan für den „Tag danach“. Es ist richtig, dass es Widerstand im Iran gab, die genaue Zahl lässt sich jedoch schwer beziffern. Der „Tag danach“ scheint Merz auf der Seele zu liegen, und man muss sich wirklich fragen, wie der Tag aussehen soll und woher er kommen soll?  Noch redet Trump von Luftschlägen und davon, dass das Volk aufsteht. Inzwischen wurde von Trump auch eine Bodenoffensive erwähnt. Am 2. März 2026 sprach er in einem Interview mit der New York Post darüber, dass er Bodentruppen im Iran nicht kategorisch ausschließt. Anders als frühere Präsidenten wolle er nicht sagen „never boots on the ground“, sondern nur: „probably don’t need them – but if they were necessary“. Gleichzeitig betonte er, die laufende Luft- und Raketenkampagne liege weit im Zeitplan und solle eigentlich nur vier bis fünf Wochen dauern.
Bodentruppen im Iran?

Der Iran ist mit 1.648.195 Quadratkilometern fast 3,8-mal so groß wie der Irak. Das Land erstreckt sich über eine Fläche, die fast so gewaltig ist wie Alaska, und beherbergt rund 90 Millionen Menschen. Wer dort einrücken will, müsste nicht nur eine Handvoll Städte einnehmen, sondern ein riesiges, vielgestaltiges Territorium kontrollieren – von der heißen Küste am Persischen Golf bis zu den schneebedeckten Gipfeln im Norden.

Die Grenzen

Noch entscheidender sind die Grenzen. Iran hat genau sieben Landnachbarn und eine insgesamt 5.894 Kilometer lange Außengrenze. Im Westen grenzt es an den Irak (1.599 km) und die Türkei (534 km), im Nordwesten an Armenien (44 km) und Aserbaidschan (689 km inklusive Exklave), im Norden an Turkmenistan (1.148 km), im Osten an Afghanistan (921 km) und Pakistan (909 km). Keine dieser Grenzen ist einfach zu überwinden. Fast überall versperren hohe Gebirgsketten oder ausgedehnte Wüsten den Weg. Panzer sind hier ebenfalls kaum manövrierfähig.
Wer von Westen einmarschieren will – der klassischen Route für eine Invasion vom Irak aus – muss durch enge Pässe und tiefe Schluchten hinaufsteigen. Panzer und schwere Konvois sind dort kaum manövrierfähig. Jeder Vormarsch wird in „Kill-Zonen“ kanalisiert, wo Artillerie, Drohnen und Guerilla-Einheiten aus dem Hinterhalt zuschlagen können. Hinzu kommt: Hinter jeder Bergmauer kann ein Hinterhalt lauern.
Iran-Irak-Krieg

Genau diese Erfahrung machte bereits Saddam Hussein im Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988. Trotz anfänglicher Überlegenheit kam seine Armee nie wirklich durch die Zagros-Barriere hindurch. Die Kämpfe in den Pässen forderten Zehntausende Tote bei minimalem Geländegewinn. Kurz gesagt: Die schiere Größe Irans, die sieben schwierigen Grenzen und vor allem der gewaltige Gebirgsgürtel machen das Land zu einer natürlichen Festung. Selbst eine Streitmacht von mehreren Hunderttausend Soldaten würde sich in den engen Pässen und weiten Höhen schnell festfahren, mit enormen Verlusten und logistischen Problemen, die jede moderne Armee an ihre Grenzen bringen würden. Theoretisch könnte man Elite-Fallschirmjäger über strategische Ziele wie Teheran, Nuklearanlagen oder IRGC-Kommandos abwerfen. Die USA haben das in der Vergangenheit gemacht. Aber im Iran würde das schnell scheitern. Das Land ist riesig, fast 1,65 Millionen Quadratkilometer, und fast alle potenziellen Landezonen liegen in bergigem oder wüstenhaftem Terrain.

Der Tag danach. Die Angriffe stürzen die Regierung. Was dann?

Iran ist kein Vakuum; es gibt Widerstand in vielen Teilen des Landes. Die Bevölkerung steht unterschiedlich zum Regime – manche kritisch, andere loyal. Eine Besatzung würde wahrscheinlich starken Nationalismus auslösen, ähnlich wie im Irak oder in Afghanistan. Die Revolutionsgarden und Basij-Miliz sind tief in die Gesellschaft und lokale Strukturen eingebunden und könnten im Konfliktfall schnell zu Guerilla übergehen. Für den Iran schätzen Militärexperten mindestens 1 bis 2 Millionen Besatzungstruppen, um das Land zu kontrollieren – basierend auf der Regel: 20 Soldaten pro 1.000 Einwohner für eine stabile Besatzung. Das wären 1,8 Millionen für 90 Millionen Menschen. Und das nicht für ein paar Monate, sondern für 10–15 Jahre. Ständige Patrouillen, Checkpoints, Anti-Guerilla-Operationen. Die Kosten? Trillionen Dollar, wie im Irak (über 2 Billionen bis 2023), plus endlose Verluste durch Sprengfallen, Selbstmordattentate weltweit und Angriffe durch Verbündete. Kein Land, nicht einmal die USA mit 1,3 Millionen aktiven Soldaten, könnte das stemmen, ohne globale Eskalation.

Iran lehnt Verhandlungen ab

Die von Trump skizzierten Ziele erscheinen Experten schwer erreichbar. Ein Sieg allein durch Luftschläge gilt als unwahrscheinlich, Bodentruppen aufgrund der Größe und Geografie Irans als kaum machbar. Trump hat mehrmals Verhandlungen mit Iran angeboten oder gefordert. Iran hat diese Angebote bisher abgelehnt und erklärt, derzeit nicht mit den USA verhandeln zu wollen. Ali Larijani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, bezeichnete Trumps Vorstellungen als „delusional fantasies“ und erklärte: „We will not negotiate with the United States.“ Trump lobt weiterhin die Leistung der US-Streitkräfte und die Wirkung der Angriffe.

Die Reaktionen in Iran auf den Tod von Ajatollah Khamenei sind stark gespalten. Neben staatlich organisierten Trauerkundgebungen und Demonstrationen gegen die USA und Israel berichten Augenzeugen und Medien von spontanen Szenen echter Trauer: In Teheran und anderen Städten versammelten sich Menschen in Schwarz gekleidet, weinten offen, schlugen sich an die Brust und hielten Porträts des Verstorbenen hoch. Viele drückten persönliche Betroffenheit aus, während in anderen Teilen des Landes Jubel, Tanz und Feuerwerk zu sehen sind. Diese Kontraste spiegeln tiefe gesellschaftliche Risse wider. Viele Iraner kritisieren das Regime seit Langem scharf, lehnen aber ausländische militärische Eingriffe ab – eine Dynamik, die der Westen in der Vergangenheit wiederholt unterschätzt hat.

 

 

Merz‘ Aussagen beim Trump-Treffen („on the same page“, „terrible regime“, „day after“)

Trump zu „worst case“ und Bodentruppen („someone worse“, „probably don’t need them – if necessary“)

IAEA zu Irans Atomprogramm (kein strukturiertes Waffenprogramm)

Ali Larijani „delusional fantasies“ / „We will not negotiate“

Reaktionen in Iran auf Khameneis Tod (Trauer, Jubel, Spaltung)

Geografie, Besatzungsschätzung (Zagros, 1–2 Mio. Truppen)

 

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