Die Verwaltung des Fürstbistums Münster unter Fürstbischof Maximilian Franz verteilte Siedlerstellen in neu gegründeten Kolonien im Bourtanger Moor. Historische Quellen belegen, dass im Jahr 1788 mehrere Siedlungen angelegt wurden, von Neurhede bis Rütenbrock westlich der Ems sowie Schwarzenberg und Lindloh östlich der Ems. Die Kolonisation war sorgfältig geplant: Nur wer als tüchtig, arbeitswillig und gesund galt, erhielt eine Parzelle. Ob eine Losvergabe stattfand, ist nicht gesichert; Quellen berichten jedoch von einer Auswahl der Bewerber bei Übernachfrage. Einer der frühen Siedler war Johann Gerhard Bekel, ein Mann, der bereits 1784 in der Kolonie Hesepertwist gelebt hatte. Gemeinsam mit seiner Frau Anna Maria Eilers und den beiden Kindern begab er sich in diese unwirtliche Region.
Das Leben in der neuen Kolonie war hart. Die Familien bauten aus Torfsoden kleine Hütten, etwa vier mal fünf Meter groß, mit Lehmboden und einem Dach, das den Regen nur teilweise abhielt. Eine Feuerstelle in der Mitte spuckte mehr Rauch als Wärme, und die zwei Kühe, die sie vom Staat als Unterstützung erhalten hatten, standen in einem offenen Verschlag, der kaum Schutz bot. Der Boden war nass, die Luft feucht, im Sommer machten die Mücken und im Winter der Frost das Leben schwer.
Die Arbeit begann sofort: Kanäle mussten gegraben werden, um das Moor entwässern zu können, Torf wurde oberflächlich abgebrannt, um den Boden fruchtbar zu machen, und karge Pflanzen wie Buchweizen wurden ausgesät. Die körperliche Arbeit war anstrengend, und die Wintertage lang und kalt. Zeitgleich mit der Besiedlung des Bourtanger Moores begann im benachbarten niederländischen Raum um Drenthe und Groningen ein organisierter Torfabbau. Dort gruben Arbeiter Kanäle wie den Stadskanaal und gewannen Torf als Brennstoff, der in die Städte transportiert wurde – eine Arbeit, die ganze Dörfer und Siedlungen prägte und viele Menschen anzog, die dort ihren Lebensunterhalt suchten.
Ein weiteres Merkmal der Zeit war, dass die alten Bräuche der Wintersonnenwende schon lange verloren gegangen waren. Die Siedler, konzentriert auf Überleben und Arbeit, hatten weder Zeit noch Material, um alte Riten zu pflegen. Die langen Nächte im Dezember wurden durch praktische Notwendigkeiten bestimmt: Arbeit vorbereiten, Holz sammeln, die Unterkunft reparieren und den nächsten Tag überstehen. Weihnachten war also kein Fest der Freude, sondern ein kurzer Moment der Unterbrechung im harten Alltag. Die Menschen waren auf ihre Arbeit angewiesen, ihre Lebensmittellager waren knapp, und die einzigen Zeichen des Festes waren die wenigen Vorräte, die sie teilen konnten. So verbrachten die ersten Bewohner des Bourtanger Moores Weihnachten 1788 und auch in den folgenden Jahren weder in Glanz noch in Festlichkeit. Der Tag bedeutete Ruhe, die der Alltag ihnen kurzzeitig gestattete, in der engen Hütte, zwischen Torf, Wasser und Kälte, mit den Vorräten, die ihnen das Überleben sicherten.
Und doch war diese Hütte und Arbeit für die Familie bedeutend: Sie hatten eine Parzelle im Moor erhalten, einen Platz zum Leben und damit die Chance auf eine Zukunft. In dieser einfachen Hütte, umgeben von Unwegsamkeit und Naturgewalt, lag die Hoffnung, dass das Land eines Tages ertragreicher werden würde. Vermutlich mit den Gedanken an den nächsten Frühling, wenn der Torf trockener sein würde und der Buchweizen vielleicht besser wuchs. Diese Geschichte beschreibt nicht das Mittelalter, sondern die reale Zeit vor nicht einmal 250 Jahren in den Moorgebieten rund um die Grenze. Tatsächlich waren es diese Menschen, deren Durchhaltevermögen die Grundlage für ein Leben in dieser Region schaffte. Die Ruhe an diesem einen Wintertag, dem Heiligen Abend, war ihr Weihnachtsgeschenk – mit einem kleinen Stück Land im Gepäck und dem tiefen Glauben daran, dass es den Kindern einmal besser gehen würde.
Frohe Weihnachten!