Am 7. August 1876 wurde in Leeuwarden, Friesland (Niederlande), Margaretha Geertruida Zelle geboren. Sie war die Tochter eines wohlhabenden Hutmachers, Adam Zelle, und seiner Frau Antje. Die Familie lebte zunächst luxuriös, doch durch Fehlinvestitionen des Vaters ging das Vermögen verloren. Mit 15 Jahren starb ihre Mutter, und Margaretha wurde bei Verwandten untergebracht.Sie machte eine Ausbildung zur Kindergärtnerin in Leiden, doch als der Schulleiter begann, auffällig mit ihr zu flirten, wurde sie von ihrem Patenonkel aus der Einrichtung entfernt.

Mit 18 Jahren heiratete sie 1895 Rudolf MacLeod, einen Offizier der niederländischen Kolonialarmee, der eine Anzeige für eine Braut aufgegeben hatte. Die Ehe führte sie 1897 in die Kolonien – nach Java und Sumatra (heutiges Indonesien). Dort lernte sie lokale Tänze kennen. Die Beziehung war unglücklich: MacLeod war gewalttätig und untreu. Das Paar hatte zwei Kinder – eine Tochter Louise Jeanne („Non“) und einen Sohn Norman-John, der 1899 unter mysteriösen Umständen starb (vergiftet, möglicherweise durch Rache an den Eltern). Nach der Scheidung 1906 behielt MacLeod die Tochter und verweigerte Margaretha Unterhalt.Verarmt und allein kehrte Margaretha 1902 nach Europa zurück. 1905 zog sie nach Paris, wo sie sich neu erfand: Unter dem Namen Mata Hari (malaiisch für „Auge des Tages“ – die Sonne) präsentierte sie sich als exotische Tänzerin aus dem Fernen Osten.

Ihre Shows mit asiatisch inspirierten Kostümen, fließenden Bewegungen und teilweiser Nacktheit machten sie zum Star der Belle Époque. Sie trat in Paris, Berlin, Madrid und anderen Städten auf und wurde von der Elite gefeiert. Kritiker nannten sie „die Poesie des Orients“. Sie hatte zahlreiche wohlhabende Liebhaber, darunter Offiziere und Diplomaten. Ihr Ruf begann jedoch während des Ersten Weltkriegs zu schwinden. Die Niederlande blieben im Krieg neutral, und als niederländischer Untertan konnte Zelle die Landesgrenzen frei überschreiten, doch ihre Bewegungen erregten unweigerlich Aufmerksamkeit. Während des Krieges unterhielt sie eine sehr intensive romantisch-sexuelle Beziehung zu Hauptmann Vadim Maslov, einem 23-jährigen russischen Piloten, der bei den Franzosen diente. Im Sommer 1916 wurde Maslov verwundet, was Zelle dazu veranlasste, um Erlaubnis zu bitten, ihren Geliebten im Krankenhaus zu besuchen, in dem er sich in der Nähe der Front befand.

Als Bürgerin eines neutralen Landes durfte Zelle normalerweise nicht an die Front, wurde aber von Agenten des Deuxième Bureau empfangen, die ihr mitteilten, dass sie Maslov sehen dürfe, wenn sie sich bereit erklärte, für Frankreich zu spionieren. Vor dem Krieg war Zelle mehrmals als Mata Hari vor dem Kronprinzen Wilhelm aufgetreten, dem ältesten Sohn von Kaiser Wilhelm II. und nominell ranghohen deutschen General an der Westfront. Daher glaubte das Deuxième Bureau, dass sie durch die Verführung des Kronprinzen Informationen über militärische Geheimnisse erlangen könnte, und bot ihr eine Million Francs an, wenn sie ihn verführen und Frankreich mit guten Informationen über die deutschen Pläne versorgen würde.

1915/1916 nahm der deutsche Konsul in Den Haag Kontakt zu ihr auf und bot ihr Geld (20.000 Francs) für Informationen – sie akzeptierte das Geld, lieferte aber nur veraltete oder öffentliche Infos. Später kontaktierte sie der französische Geheimdienstchef Georges Ladoux, der sie als Agentin für Frankreich anwarb (Deckname H-21 in deutschen Akten). Sie erhielt Aufträge, doch ihre Missionen (z. B. in Madrid) blieben erfolglos. Im Jahr 1917 begannen die Franzosen, sie als Doppelagentin zu verdächtigen, und beschuldigten sie schließlich, für die Deutschen zu spionieren.

Im Februar 1917 wurde Mata Hari von den französischen Behörden verhaftet und im Gefängnis von Saint Lazare inhaftiert. Am 24. Juli 1917 befand ein Kriegsgericht die Tänzerin für schuldig und verurteilte sie zum Tod durch Erschießen. Obwohl Mata Hari bis zum letzten Moment auf eine Begnadigung hoffte, wurde sie am 15. Oktober 1917 vor ein Erschießungskommando geführt. Sie war 41 Jahre alt. Sie lehnte eine Augenbinde ab und soll den Soldaten einen letzten Kuss zugeworfen haben. Ihr Körper wurde der medizinischen Forschung übergeben.Bis heute bleibt umstritten, ob sie wirklich eine effektive Spionin war. Viele Historiker halten sie für eine unwirksame Amateurin oder sogar unschuldig – die Deutschen schrieben sie als nutzlos ab, und Frankreich brauchte einen Schuldigen. Ihr Name wurde zum Synonym für die verführerische „femme fatale“-Spionin, doch die reale Margaretha Zelle war vor allem eine Frau, die sich in einer harten Welt selbst neu erfand.

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