Tabak und Alkohol stehen ganz oben auf der Liste: Ein Kunde aus dem nahen Winschoten lässt locker mehrere Hundert Euro für Zigaretten springen, während er schmunzelnd erzählt: „Unsere Regierung ist verrückt – alles nur Steuern!“ Auch Benzin und Diesel locken: In Bunde kostet der Liter oft 15 bis 20 Cent weniger als drüben in Bad Nieuweschans. Und zum Jahreswechsel 2025/26 gab es den ultimativen Boom: Niederländer deckten sich in Massen mit Böllern und Feuerwerk ein – ab 2026/27 ist privates Silvesterkrachen in den Niederlanden weitgehend verboten, also hieß es „letzte Chance“. Die Supermärkte quollen über, Verkehrschaos inklusive.Der kleine Ort mit seinen knapp 4000 Einwohnern hat sich rasant angepasst. Die Neuschanzer Straße mutierte zur Shoppingmeile: Spezialisierte Tabak-Shops werben mit Online-Bestellung und schneller Abholung, die Parkplätze sind zu über 50 Prozent mit niederländischen Autos belegt. Bürgermeister Uwe Sap (SPD) sieht das Ganze positiv. Das sagte er der Nordwest-Zeitung: „Unter dem Strich profitiert Bunde enorm. Wir haben mehr Einkaufsvielfalt und Umsatz – das ist gut für die Gemeinde.“ Händler freuen sich über volle Regale und pralle Kassen, die Gastronomie spürt den Schub.
Doch der Trend hört nicht bei Bunde auf – er breitet sich aus. In der Rheder Tankstelle, nur wenige Kilometer weiter im Rheiderland, sieht es nicht anders aus: Gelbe Kennzeichen reihen sich an den Zapfsäulen, und Autofahrer tanken voll, bevor sie weiterziehen. Ähnlich beim Combi-Markt in Aschendorf: Die Parkplätze sind oft rappelvoll mit niederländischen Wagen, Einkaufswagen werden mit günstigen Lebensmitteln, Drogerieartikeln und Tabak beladen. Der Ansturm strahlt bis nach Leer aus: In der Kreisstadt hört man immer öfter Niederländisch in den Gängen der Supermärkte, Einkaufswagen werden randvoll mit günstigen Waren beladen. Doch der Ansturm bringt auch Staus, überfüllte Parkplätze und genervte Einheimische mit sich, die sich fragen, ob die Straßen noch für sie da sind. Was als kleiner Grenzhandel begann, entwickelt sich zu einem echten Wirtschaftsfaktor – für den Einzelhandel.