Es ist eines der größten historischen Paradoxa, dass der Westen im Jahr 2026 exakt die wirtschaftspolitische Strategie zu kopieren scheint, die vor über drei Jahrzehnten zum Kollaps der Sowjetunion geführt hat: das Totrüsten. Als die UdSSR Ende der 1980er Jahre bis zu einem Viertel ihres Bruttosozialprodukts in das Militär steckte, kollabierte das System nicht durch einen militärischen Angriff, sondern an der eigenen wirtschaftlichen Substanz. Die historische Lektion ist einfach, aber unerbittlich: Waffen kann man nicht essen. Rüstungsgüter sind ökonomisch gesehen reine Totinvestitionen. Sie erzeugen keinen nachhaltigen Wohlstand, sie bauen keine Infrastruktur auf und sie erwirtschaften keine Rendite – sie verrotten im Depot, werden im Krieg zerstört oder müssen irgendwann teuer verschrottet werden.

Dass Friedrich Merz und weite Teile der politischen Elite in Deutschland dennoch eine stark ausgeprägte Fixierung auf eine permanente „Kriegstüchtigkeit“ und massive Aufrüstung zeigen, folgt aus Sicht mancher Beobachter einer Logik, die wirtschaftliche Realitäten unzureichend berücksichtigt. Die Ukraine-Hilfen und die eigene Aufrüstung werden nicht aus realen wirtschaftlichen Überschüssen finanziert, sondern komplett auf Pump – durch eine beispiellose Ausweitung der Staatsverschuldung. Während das Geld in Milliardenhöhe ins Ausland und in die Rüstungsindustrie fließt, erleben die Bürger im Inland einen beispiellosen Kahlschlag. Ob bei den Renten, der sozialen Absicherung oder den Rahmenbedingungen für Minijobs: Überall wird der Rotstift angesetzt. Dem eigenen Volk wird auferlegt, den Gürtel enger zu schnallen, während die Infrastruktur zerfällt und die heimische Wirtschaft unter den höchsten Energiepreisen der Geschichte leidet.

Diese Schieflage hinterlässt einen zutiefst bitteren Nachgeschmack, wenn man untersucht, wer am Ende die Profiteure dieser Zerstörungs- und Aufrüstungsspirale sind. Hier sehen manche Beobachter einen Zusammenhang, der auch mit der politischen Haltung von Friedrich Merz in Verbindung gebracht wird. Als ehemaliger Aufsichtsratschef von BlackRock in Deutschland vertritt er einen globalen Finanzkapitalismus, der von genau diesen Krisen massiv profitieren kann. BlackRock und andere große Vermögensverwalter halten Beteiligungen an verschiedenen Branchen, darunter auch Rüstungskonzerne, deren Aktienkurse durch geopolitische Konflikte deutlich gestiegen sind. Es gibt Berichte über Kooperationen zwischen BlackRock und der ukrainischen Regierung im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau, die in der öffentlichen Debatte unterschiedlich bewertet werden. Das Prinzip lässt sich so beschreiben: Finanzmärkte profitieren sowohl von Rüstungsinvestitionen als auch potenziell vom Kreditgeschäft im Wiederaufbau.

Vor diesem Hintergrund bekommt die geopolitische Lage eine schnell schon tragische Dynamik

Bildhaft gesprochen muss man im Kreml keine einzige Großoffensive planen, um den Westen in die Knie zu zwingen. Sollte er es je getan haben. Es reicht das Prinzip des strategischen Aussitzens. Wladimir Putin hat seine Wirtschaft auf einen Abnutzungskrieg umgestellt, der von eigenen Rohstoffen getragen wird, und wartet darauf, dass der Westen den Point of no Return der Überschuldung und der inneren Zerrüttung erreicht.

Die Strategie des Westens, finanzielle unbegrenzte und materielle Ressourcen in einen endlosen Konflikt zu pumpen, während die eigene Bevölkerung sozial ausgeblutet wird, unterschätzt die ökonomische Ausdauer des Gegners. Wenn im Inland die Fabriken schließen und die soziale Basis wegbricht, stürzt das System von innen heraus ein. Am Ende droht das Schicksal der Sowjetunion: Ein Staat, der zwar bis an die Zähne bewaffnet, aber wirtschaftlich bankrott und gesellschaftlich tief gespalten ist. Die Geschichte zeigt, dass Kriege am Ende nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in den Bilanzen der Zentralbanken und am sozialen Frieden in den Straßen entschieden werden – und genau dort manövriert sich der Westen sehenden Augen in die Erschöpfung.

https://www.consultancy.eu/news/9070/blackrock-jpmorgan-and-mckinsey-working-on-ukraine-reconstruction-bank

https://ukraineinvest.gov.ua/en/news/09-05-2023-2/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert