Während der Corona-Zeit geriet das Restaurant Olympia in Dörpen plötzlich in den Mittelpunkt – positiv wie negativ. Bis dahin war das Lokal vor allem für gutes Essen und herzliche Atmosphäre bekannt, geführt von Shiraz Hussein. Am 22. März 2020 kam der erste Lockdown. Hussein schloss wie viele andere für einige Wochen die Türen. Als die Gastronomie wieder öffnen durfte, folgten Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und schließlich die 2G-Regel. Genau hier begann für ihn der schwierige Spagat, der sein Restaurant emslandweit bekannt machen sollte. Es wurde geredet  und gemunkelt, aber was war wirklich?

Herr Hussein, was genau ist damals passiert, dass das Restaurant Olympia so hohe Wellen geschlagen hat?
Mir war es immer wichtig, dass sich die Menschen bei mir wohlfühlen, gutes Essen bekommen und einen schönen Abend verbringen.Ich habe mich nie als Lehrmeister oder Erzieher meiner Gäste gesehen. Wer mit Maske kam, war willkommen – wer ohne kam, ebenfalls. Ich fand es nicht meine Aufgabe, das zu kontrollieren. Wenn sich Gäste beschwerten, weil jemand ohne Maske am Tisch saß, habe ich gesagt: „Wenn Sie so große Angst haben, bleiben Sie vielleicht besser zu Hause.“ Das meinte ich nicht abwertend, sondern ehrlich. Denn wenn meine eigene Angst andere einschränkt, würde ich mir doch selbst die Frage stellen: Gehe ich dann überhaupt in eine Menschenmenge?

Das waren Vorgaben der Regierung – haben Sie die nicht eingehalten?
Ja, das waren klare Vorgaben von Beamten und Polizei wegen des Infektionsschutzgesetzes. Aber ich arbeite nicht für die Regierung. Wenn der Staat etwas durchsetzen will, soll er einen Ordnungshüter in mein Restaurant stellen – der macht dann seinen Job. Ich bin kein Kontrolleur und habe weder Ausbildung, Qualifikation noch Zeit, Impfpässe zu prüfen. Ich habe die Regeln nicht bewertet, sondern den Menschen die Entscheidung überlassen, wie sie es für richtig halten. Es gab Gerichtsverfahren – und ich wurde nicht verurteilt, weil mein Verhalten vom Grundgesetz gedeckt war.

Wie kam es dann dazu, dass die Geschichte plötzlich viral ging?
Irgendein Spaßvogel hat einen Zettel an die Tür gehängt: „Hier gibt es kein Corona.“ Jemand hat das fotografiert und ins Netz gestellt – und dann ging das Theater los. Die Polizei und ein Amt gaben dem nächsten die Klinke in die Hand: Lebensmittelüberwachung, Veterinäramt, Bauamt wegen einer längst verjährten Baugenehmigung…

War das am Ende nur persönliche Sturheit? Sie hätten ja auch einfach mitmachen können – keine Ämter, keine Klagen, keine Probleme? 
Das stimmt. Aber ich möchte mir auch heute noch in den Spiegel schauen können. Ich bereue es nicht, dass ich zwei durchnässte Schiffer hereingelassen habe, die Hunger hatten und draußen im Regen essen sollten, weil sie keinen Impfpass dabei hatten. Ich habe mich oft zerrissen gefühlt zwischen meinem Gefühl und dem behördlichen Druck. Viele hatten große Angst, aber es gab auch die anderen. Ich wollte nicht noch mehr zur Spaltung beitragen und habe es deshalb jedem selbst überlassen. Und ja: Ich würde es heute wieder genauso machen.

Heute ist das Restaurant verpachtet?
Ja, an meine Cousins. Das hat aber andere Gründe. Ich habe das große Glück, zwei gesunde Kinder bekommen zu haben. Die sind nur einmal klein. Und ich wollte einfach nicht mehr sieben Tage die Woche arbeiten.

Herr Hussein, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

 

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