Ein historisches Herzstück: die Tramwerkplaats
Im Zentrum des Projekts steht die Tramwerkplaats, ein historisches Gebäude an der Havenkade West. Einst ein Knotenpunkt für Transport und Logistik, hat die Gemeinde Oldambt das Gebäude zurückgekauft, um die Entwicklung des Waterkwartier aktiv zu steuern. Die Tramwerkplaats soll künftig Ausstellungen, Märkte, kulturelle Veranstaltungen und kleinere Cafés beherbergen – ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Ideen ausgetauscht und Stadtleben erlebt werden kann.
Dieses Gebäude ist mehr als nur ein Veranstaltungsort: Es ist ein Bindeglied zwischen der historischen Rolle des Wassers in Winschoten und der modernen Stadtentwicklung. Der Rensel-Kanal, der einst die Stadt durchzog, war Teil eines Kanalsystems, das Winschoten mit dem Winschoterdiep und weiter bis zum Oldambtmeer verband. Wasserwege waren nicht nur für Handel und Transport wichtig, sie prägten das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt über Jahrhunderte. In der Nähe des alten Hafens, wo sich früher Zoll- und Hafenhäuser befanden, war Wasser ein lebendiger Bestandteil des Alltags.
Im Waterkwartier-Projekt soll der Rensel-Kanal wieder in die Stadt zurückgeholt werden. Die Uferflächen werden nicht länger nur Kulisse sein, sondern zugänglich, erlebbar und einladend. Spazierwege, kleine Stege, Sitzgelegenheiten und Promenaden laden dazu ein, das Wasser direkt im Alltag zu erleben. Historische Kaimauern und alte Hafenstrukturen werden sichtbarer Teil des Stadtbildes, sodass Besucher und Bewohner die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar spüren. Dabei geht es nicht nur um die Integration des Wassers. Das Waterkwartier soll ein lebendiges Stadtviertel werden, in dem Wohnen, Kultur, Freizeit und Gastronomie harmonisch miteinander verschmelzen. Historische Elemente treffen auf moderne Gestaltung, Grünflächen fließen in das städtische Leben ein, und das Viertel wird so ein Ort der Begegnung und des Aufenthalts.
Bürgerbeteiligung als Schlüssel
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Bürgerbeteiligung. Schon in der Planungsphase werden Anwohner, lokale Unternehmer und Vereine aktiv einbezogen. Ihre Ideen, Wünsche und Anregungen sollen die zukünftige Gestaltung prägen, sodass das Waterkwartier nicht nur ein Projekt „von oben“, sondern ein echtes Gemeinschaftsprojekt wird. Geplante Neubauten sollen ab 2027 realisiert, erste Fertigstellungen für 2032 erwartet werden.
Das Waterkwartier ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein Beispiel dafür, wie alte Industrieflächen, Wasserläufe und historische Gebäude neu belebt werden können. Es zeigt, wie Tradition, Natur und moderne Stadtentwicklung Hand in Hand gehen können, um ein attraktives, lebendiges und nachhaltiges Stadtviertel zu schaffen. Für Winschoten bedeutet das: eine Innenstadt, die wieder mit Wasser verbunden ist, Aufenthaltsqualität bietet und Raum für Kultur und Begegnung schafft – ein Quartier, das Geschichte sichtbar macht und gleichzeitig die Zukunft der Stadt prägt.
Foto: Vision / Konzeptbild