Bürgermeisterwahl Papenburg 2021
Auch mit der Kandidatin der SPD, Vanessa Gattung, führten wir ein Interview. Die 31-Jährige, die sich selbst als „die Macherin für Papenburg“ bezeichnet, möchte nicht nur neue Ideen, sondern auch alte Vorhaben umsetzen.
Frau Gattung, auf den ersten Blick ist mir bei Ihrem Programm direkt das Wort „Leitbild“ aufgefallen. Sie möchten eines für die Stadt Papenburg erstellen. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 2010: Leitbild war in Papenburg das Wort des Jahres. Viele Personen haben sich engagiert und mitgearbeitet, um dieses Leitbild zu erstellen. Als es dann endlich fertig war, wurde es in die Schublade gelegt. Es wirkt so, als sei es nie wirklich genutzt worden.
An der „Schublade“ war die SPD ja nicht beteiligt. Leider ist mir diese oder eine ähnliche Aussage mehrfach begegnet. Ich habe mit einigen Unternehmen darüber gesprochen, die von diesem Verlauf sehr enttäuscht sind und sich wünschen würden, dass das Leitbild umgesetzt wird. Richtig ist auch: Man muss dafür das Rad nicht neu erfinden. Natürlich kann man das alte Leitbild einbeziehen und weiterentwickeln. Ein wichtiger Punkt im Leitbild von 2010 war bereits die Einbeziehung aller Stadtteile. Nicht nur am Obenende, sondern auch in den anderen Stadtteilen haben viele Menschen das Gefühl, eine unwichtige Rolle zu spielen. Für mich ist es wichtig, dass alle Stadtteile gleichermaßen gefördert werden.
Gilt das auch für die Wirtschaft?
Ja. Wir müssen mit kleinen und mittleren Unternehmen den Dialog suchen und gemeinsam mit allen Beteiligten ein Leitbild entwickeln, in dem der Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft im Vordergrund steht. Wir können nicht weiterhin nur auf ein oder zwei große Unternehmen schauen, sondern müssen alle Unternehmen berücksichtigen und einbeziehen.
„Innerhalb meiner ersten 100 Tage im Amt werde ich die Arbeitsgemeinschaft ‚Klimaneutral‘ ins Leben rufen, denn Klimaschutz kann nicht warten“, so steht es in Ihrem Programm. Sie haben dazu einige Punkte genannt, allerdings war der Umfang Ihrer Vorstellung nicht ganz klar. Was ist der zentrale Ansatz?
Klimaschutz beginnt für mich in der Verwaltung. Ich möchte, dass die Stadt künftig die Dächer ihrer Gebäude zur Gewinnung von Sonnenenergie nutzt und selbst mit gutem Beispiel im Bereich Umwelt und Klima vorangeht. Bei jeder Entscheidung und Maßnahme soll künftig geprüft werden, wie sie möglichst umweltfreundlich umgesetzt werden kann. Ich möchte insbesondere erreichen, dass städtische Bauten energieeffizient geplant und gefördert werden.
Sie sprechen von Pfandsammelringen. Man muss festhalten: Viele Rentnerinnen und Rentner – insbesondere Frauen – erhalten keine ausreichende Rente, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet und Kinder erzogen haben. Als Hilfe bietet man ihnen im Alter Pfandsammelringe an. Ist das nicht eine Art Verhöhnung, insbesondere im Vergleich zu Ländern wie den Niederlanden oder Österreich?
Ich finde ebenfalls, dass auf anderer politischer Ebene im Bereich Rente dringend gehandelt werden muss. Das kann ich in der Kommunalpolitik jedoch nicht ändern. Daher bleibt mir nur die Möglichkeit, diesen Menschen das Leben ein wenig zu erleichtern – wenn auch durch einfache Maßnahmen.
Frau Gattung, Ihnen gehört das letzte Wort. Gibt es etwas, das Ihnen besonders auf dem Herzen liegt?
Als Bürgermeisterin möchte ich Papenburg zukunftsfähig aufstellen. Das möchte ich mit innovativen Ideen, Mut und im Dialog mit allen Beteiligten und vor allem mit den Bürgerinnen und Bürgern erreichen. Die Menschen sollen aktiv am Gestaltungsprozess unserer Stadt teilnehmen und durch größtmögliche Transparenz wieder Vertrauen in die Politik gewinnen. Ich möchte bestehende Strukturen aufbrechen.
Danke für das Gespräch.