Theremin: Das Instrument, das Töne aus dem Nichts erzeugt

Schon mal von der Ätherwellenergie gehört? Nein? Das ist verzeihlich, denn der Elektronische Kongress in Moskau 1921 ist etwas länger her. Dort stellte der Physiker Leon Theremin die ätherische Geige vor.

Das Theremin, auch Ätherwelleninstrument, ist ein 1920er Musikinstrument, das berührungslos gespielt wird und dabei direkt Töne erzeugt. Sein Name geht auf den Erfinder, den Russen Lew Theremin zurück. Das elektronische Instrument erzeugt geradezu sphärische Klänge, die noch dazu berührungslos produziert werden. Doch genau darin liegt auch eine der Schwierigkeiten. In irgendeiner Form „spielen“ kann es jeder, schließlich muss man „nur“ Hände oder Arme bewegen. Zwei aus einem Kasten herausragende Antennen funktionieren wie Sensoren, die auf unterschiedliche Abstände mit sich verändernden Klängen reagieren. Will man jedoch nicht nur willkürlich agieren, sondern die Klänge gezielt steuern, bedarf es langer Übung und Erfahrung. So kommt es, dass nur wenige Musiker das Instrument beherrschen.

Obwohl der kommerzielle Erfolg ausblieb, widmeten sich einige namhafte Musiker und Komponisten, wie Edgar Varèse, dem Instrument und komponierten eigens Stücke für das Theremin. Darüber hinaus wurden einige klassische Stücke für das Theremin umarrangiert, weiterhin bleibt es aber ein exotisches und auch unheimliches Instrument, vielleicht auch deshalb, weil wir nur an das glauben wollen, was wir auch sehen können? Töne aus dem Nichts sind schwer zu verstehen. Was genau sind Ätherwellen?

Physik der alten Schule …
Früher nahm man an, dass ein Stoff namens Äther den gesamten Raum durchdringe und Lichtwellen sowie andere elektromagnetische Wellen ähnlich wie Schallwellen in der Luft tragen könne. Elektrische und magnetische Felder wurden dabei als besondere Zustände dieses Äthers betrachtet. Äther taucht auch immer wieder in Spekulationen über freie Energie und Nikola Tesla auf – Themen, die wissenschaftlich umstritten sind. Heute weiß man jedoch: icht und elektromagnetische Wellen breiten sich auch im Vakuum aus, ohne ein Trägermedium zu benötigen. Konzepte wie „freie Energie“ sind bisher nicht wissenschaftlich belegt. Dennoch ist es interessant, einen historischen Blick auf die Physik der damaligen Zeit zu werfen. In einem „Grundriss der Physik“ für Oberstufe und Fachschulen von 1929 heißt es:

„Mit der Materie befassen sich die Mechanik, die Wärmelehre und die Akustik. Zur Physik des Äthers gehören die Erscheinungen der Wärmestrahlung, der Optik und der Elektrizität. Indem der Äther als feiner Stoff angenommen wird, der alle Materie und den leeren Raum durchdringt und durch Koppelung seiner Teilchen die elektrischen und magnetischen Kräfte überträgt, ist es möglich, die Gesetze der gesamten Physik als Nahwirkungsgesetze theoretisch darzustellen, d.h. in einer Form, wie sie die Mechanik bietet, in der die Wechselwirkung der Körper durch unmittelbare Berührung erfolgt. Wir haben bisher noch nicht von dem Bewegungszustand des Äthers gesprochen.
Wir haben aber bei der Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit nach Römer ganz stillschweigend angenommen, der Äther ruhe, ebenso stillschweigend aber auch bei der irdischen Bestimmung vorausgesetzt, der Äther bewege sich mit der Erde fort. Die Übereinstimmung der Ergebnisse kann darüber nicht hinwegtäuschen, daß hier ein grundsätzlicher Unterschied der Auffassung vorliegt, dessen Auswirkung vielleicht nur nicht groß genug ist, um bemerkt zu werden. Denn würde man z.B. die Geschwindigkeit des Schalles messen, der sich längs einer Eisenbahnlinie ausbreitet, so würde man sie außerhalb des fahrenden Zuges anders beurteilen als im Zug. Die Frage: „Bewegt sich der Äther oder ruht er?“ ist daher für die Einheitlichkeit und Sicherheit des physikalisch-wissenschaftlichen Systems von größtem Belange.“
(aus: Grundriss der Physik von Karl Hahn, B. G. Teubner, Leipzig und Berlin)

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